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Der heutige Beitrag dreht sich um einen Klassiker, der mit enervierender Regelmäßigkeit aufkommt: Gegenangebote.

Um das Thema kurz zu erläutern: Mit Gegenangebot bezeichne ich ein vom Noch-Arbeitgeber ausgesprochenes Angebot einer Gehaltssteigerung, einer Beförderung bzw. jeder weiterer Verbesserung gegenüber dem Status Quo als Reaktion auf eine Kündigung. Das Ziel des Arbeitgebers ist klar: Den Mitarbeiter umstimmen und zu einem Verbleib im Unternehmen bewegen.

„Nun gut,“ können Sie sich jetzt denken, „das wird bei mir aber garantiert nicht passieren.“ Es mag sein, dass sich diese Praxis noch nicht in allen Zweigen durchgesetzt hat. In den MINT-Berufen und hier vor Allem im SAP-Umfeld ist sie gang und gäbe. Zur Einordnung: Seit ich 2007 in der SAP Personalberatung startete, hat beinahe keiner der von mir betreuten Kandidaten KEIN Gegenangebot erhalten. Der Grund ist einfach: Es ist für die Unternehmen die billigste Lösung. Denn mit der Fluktuation eines hochqualifizierten Mitarbeiters geht ein logistischer Rattenschwanz an Folgekosten einher. Projektausfälle, Kosten für Externe, Stellenanzeigen, Einarbeitungskosten oder Überstunden sind nur einige Punkte. Vom Einsatz eines Personalberaters ganz zu schweigen. Als grobe Schätzung können Sie die Gesamtkosten mit ca. 1,5 Jahresgehältern beziffern.

Sie können natürlich sagen, dass Ihnen der Grund egal ist. Denn Geld ist Geld bzw. Beförderung ist Beförderung.

Das stimmt in diesem Kontext leider nur zu einem begrenzten Grad. Denn sonst wären nicht 90% der Kandidaten, die sich entschieden, ein Gegenangebot anzunehmen, binnen spätestens 4 Monaten wieder bei mir vorstellig geworden. Der Hintergrund ist ist simpel: Wenn Sie ein Gegenangebot annehmen, lösen Sie lediglich ein kurzfristiges Problem für Ihren Arbeitgeber.

Vertragsunterschrift

Quelle: Bild von Andreas Breitling auf Pixabay

Betrachten wir einmal, wer am meisten davon profitiert, wenn Sie das Gegenangebot annehmen. Sie? Ihr gegenwärtiger Arbeitgeber? Der potentielle Arbeitgeber, der Ihnen gerade eine neue Stelle angeboten hat? Sie profitieren nicht davon, auch wenn es eine Weile dauern könnte, bis Sie das realisieren. Das Unternehmen, das Ihnen die neue Stelle angeboten hat, profitiert auch nicht davon. Die Ansprechpartner dort haben genug von Ihnen gehalten , um Ihnen eine attraktive Position und ein gutes Gehalt anzubieten und Zeit in Sie investiert. Nur um dann zu sehen, dass Sie sich leicht umstimmen ließen. (Wobei sie eventuell einen Benefit davon haben könnten, Sie nicht einzustellen, wenn Sie sich so leicht zurückkaufen lassen).

Ihr gegenwärtiger Arbeitgeber hat den Benefit, aber nicht aus den Gründen, die Sie denken. Er profitiert nicht, weil er Sie länger beschäftigen kann. In der Realität ist das Vertrauensverhältnis bereits zerstört und man wird Ihnen wahrscheinlich nicht wieder vertrauen. Ihr Arbeitgeber profitiert, weil er kein kurzfristiges Problem dadurch hat, dass Sie das Unternehmen verlassen und er keinen Ersatz hat. Indem Sie ein Gegenangebot annehmen, lösen Sie also ein kurzfristiges Problem für Ihren Arbeitgeber. Aber dies stellt keine gute mittel- oder langfristige Lösung für Sie dar. Statistisch gesehen ist es höchstwahrscheinlich, dass Sie das Unternehmen innerhalb der nächsten 6 Monate verlassen werden. Entweder da alle Gründe, aufgrund derer Sie sich für andere Stellen interessiert haben, noch da sind. Oder noch schlimmer: Weil man Sie nicht mehr benötigt und Sie keine andere Wahl haben.

Entscheiden Sie sich nicht für eine neue Stelle, wenn Sie sich nicht sicher sind, dass es die beste Option für Sie und Ihre Karriere zu diesem Zeitpunkt ist. Und bleiben Sie bei Ihrer Entscheidung, wenn Sie sie gefällt haben. Lassen Sie sich nicht verlocken, zu bleiben. Wenn Sie Ihrem Arbeitgeber ein höheres Gehalt wert sind, warum hat er dieses nicht ohne den Druck einer Kündigung gezahlt?

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